Palani Ayurveda, Inder, Heidelberg

Als ich vor zwanzig Jahren vor dem Beamten stand, der mich fragte, wie alt ich sei, um es in das Visum für Deutschland einzutragen, antwortete ich wahrheitsgemäß: „Ungefähr 26 Jahre.“ „Nein, nein…“, sagte er: “Wann sind Sie genau geboren?“. Ich schaute ihm ruhig in die Augen, während ich überlegte: „Meine Mutter sagte mir, es habe geregnet.“ Der städtische Würdenträger blickte mich ungläubig an. An diesem Tag wurde ich auf dem Papier noch einmal geboren, exakter als beim ersten Mal, zumindest für einen Pass verwertbarer.

Dort, wo ich herkomme, war der Geburtstag nicht wichtig. Südindien, meine Heimat, mein Dorf Kadambadi, drei Kilometer entfernt vom Golf von Bengalen, einem Randmeer des Indischen Ozeans ungefähr in der Mitte zwischen Chennai und Pondicherry. Unser Dorf ist älter als fünfhundert Jahre und wurde von einem meiner direkten Ur-Ur-Ur-Großväter umbenannt, indem er auf einem Pfahl auf einer Messerspitze tanzte, und sich so das Recht der Namensumbenennung erwarb. Das Umfeld, in dem ich aufwuchs, war und ist durch die Ursprünglichkeit, die Nähe zur Natur, dem Hinduismus, den Reisfeldern, der Siddha-Medizin und dem dörflichen Miteinander gekennzeichnet. Dort, in Südindien, wurde ich in die ursprünglich Heilkunden Ayurveda und Siddha eingeführt, dort lernte ich bei verschiedenen Ärzten, Meistern und Heilern die Grundlagen für das, was ich heute praktiziere. Bis heute nutze ich die Reisen in meine Heimat, um mich weiterzubilden und um die Kräuter und Wurzeln für meine Anwendungen selbst zu sammeln, damit ich ihre hohe Qualität und Heilkraft gewährleisten kann.

In meiner Jugend arbeitete ich neun Jahre lang als Tempelwächter; mein Lohn war das Essen, das mir die Tempelbesucher mitbrachten. Aus dieser Zeit kommt meine Liebe zur Musik und zu den heiligen Gesang, dem Mantras. Ich spiele die unterschiedlichsten Instrumente und bin früher mit meiner Musik aufgetreten. In Deutschland angekommen erlernte ich auf Grund meiner Liebe zum natürlichen Rohstoff Holz den Beruf des Schreiners. Heute baue ich meine Instrumente und Klangliegen, auf denen ich Sie behandle, selbst. Ich bin mit ganzem Herzen Vater von vier Kindern und habe viele Jahre lang an verschiedenen Schulen für Kinder und Jugendliche Percussion, Yoga und Stockkampf unterrichtet, was mir und den begeisterten Kindern große Freude bereitete.

2015 lernte ich meine wundervolle Frau Ronja kennen. Dank Ihres Ideenreichtums, Ihrer Motivation, Unterstützung und Mitarbeit hat sich unsere Praxis - Palani Ayurveda - zu dem entwickeln, wovon ich immer geträumt hatte: Eine profesionelle Praxis für authentisches Ayurveda, Siddha und Yoga in höchster Qualität, in der sich unsere Gäste wohl und umsorgt fühlen.

Während der Aufenthalte in meiner Heimat, sah ich, dass viele Kinder von alleinerziehenden Müttern, Waisen- Gipsy- und die Adivasi-Kinder (die Ureinwohnern Indiens) nicht die Schule besuchen konnten. Hieraus entstand die Idee und die Umsetzung von Bildungsprojekt Süd-Indien e.V. .

So lebe ich gerne in beiden Welten und freue mich, beide Einflüsse in mir zu vereinen zu dem, was mich ausmacht.

Namaste!

Palani